Auf den Spuren Iwan des Schrecklichen verschlug es mich 2012 nach  Alexandrow, von Moskau etwa zwei Stunden mit dem Zug entfernt. Iwan,  der sich bedroht fühlte, zog 1564 von Moskau nach Alexandrow, womit  diese kleine Siedlung für diese Zeit das wichtigste politische und kulturelle  Zentrum von Russland war. Von dort aus schickte Iwan eine neu  gebildetete Truppe aus, die Opritschniki. Gekleidet in schwarze Umhänge,  mit Hundekopf und Besen als Abzeichen,  auf schwarzen Pferden reitend,  töteten diese viele Bojaren (Russische Adelige), von denen sich Iwan  besonders bedroht fühlte, Kirchenmänner und andere Bürger. Die  Opritschniki plünderten, raubten, und rissen Ländereien der Bojaren an  sich, bevor sie nach etwa acht Jahren aufgelöst wurden.  1571 soll der Zar in Alexandrow aus 2000 Schönheiten aus ganz Russland  seine dritte Frau, Marta Wassiljewna Sobakina, ausgewählt haben, die  jedoch nur 15 Tage nach der Hochzeit verstarb. Ob sie wirklich wie  gerüchteweise verbreitet vergiftet worden ist, kann nicht gesagt werden,  auch wenn eine Untersuchung ihrer Überreste 1990 keine Anzeichen dafür  ergab. Bei der Öffnung ihres Sarges soll sie übrigens so ausgesehen  haben, als ob sie fast noch lebendig gewesen sei, doch innert weniger  Minuten sei sie dann zerfallen. Ob das wirklich stimmen mag...  Noch nicht genug der Schauergeschichten, von denen es in  Zusammenhang mit dem Leben von Iwan dem Schrecklichen reichlich gibt:  1581 erschlug Iwan in einem Wutanfall seinen Sohn, den Kronprinzen  Iwan, und zog danach von Alexandrow wieder nach Moskau zurück.   Sicher war er ein grausamer Herrscher, aber davon gab es im Mittelalter  auch in Westeuropa, wo ja damals auch Folter und Tötung durch die  Inquisition praktisch an der Tagesordnung war, einige. Grausame Zeiten  überall, leider. Und erstaunlicherweise, wenn man seinen schlechten Ruf  bedenkt, gab es unter Iwan beispielsweise auch Reformen von  Gesellschaft und Staat, und er konnte die Grenzen des Landes so  erweitern, dass unter ihm der Aufstieg Russlands zur Grossmacht begann.   In Alexandrow kann man heute das idyllische Mariä-Entschlafens-  Frauenkloster besuchen, wo der Zar seine Residenz hatte. Unter anderem  steht dort auch eine Kopie des aus Byzanz stammenden etwa 1000 Jahre  alten Elfenbeinthron Iwans (das Original wird im Moskauer Kreml  aufbewahrt). Er gehörte einmal der byzantinischen Kaiserin Zoe, die auch  die Grossmutter des brühmten Kiewer Grossfürsten Wladimir  Wsewolodowitsch Monomach war. Auch sonst gibt es im Kloster noch  verschiedene alte Kunstschätze und Gegenstände zu sehen, die mit dem  Leben Iwan des Schrecklichen in Verbindung stehen. Ganz besonders  gefallen mir immer wieder die alten Bücher, kunstvoll unter Verwendung  edelster Materialien eingebunden.   Auferstehungskirche Fotos: