Kiew. Gelesen habe ich schon öfter, dass es eine schöne Stadt sein soll,
und ich habe vorher auch schon Bilder im Internet angeschaut, deshalb
wollte ich da auch mal hin. Und als ich dort angekommen bin war es noch
schöner und auch anders als ich mir vorgestellt hatte. Moskau mag
vielleicht aufregender sein, aber Kiew ist für mich schöner, knapp hinter St.
Petersburg. Es hat dort im Zentrum schöne ältere Häuser (wobei da St.
Petersburg halt schon eine Liga höher spielt), die Luft ist im Vergleich zu
den anderen beiden genannten Städten sauberer und es ist auch ruhiger
und gemütlicher. Kiew ist eine Stadt mit vielen Hügeln, am Dnjepr, der sie
durchfliesst, hat es auch schöne Plätze, und es einfach unglaublich viele
Bäume für eine Stadt. Manchmal sind die Häuser und Strassen auch ein
bisschen heruntergekommen, was aber eigentlich nicht stört sondern sogar
einen eigenen Flair verbreitet.
Das Zentrum ist nicht allzugross, so dass man viele Sehenswürdigkeiten
zusammen an einem Tag anschauen kann. Die Leute sind freundlich und
es sprechen viel mehr der Einheimischen Englisch als in Russland, was
schon einiges ein bisschen vereinfacht. Das Essen ist gut und sehr günstig
im Vergleich zu Westeuropa.
Und, das beste, es hat dort wirklich viele wunderschöne Kirchen und
Klöster. Die Sophienkathedrale, die heute ein Museum ist (leider darf man
darin auch nicht gegen Bezahlung fotografieren - ich hätte 100 Franken für
nur 1 Foto bezahlt), das St. Michaelskloster, die St. Andreaskirche (sieht
ähnlich aus wie die Smolny-Kathedrale in St. Petersburg, kein Wunder, bei
beiden Projekten war der Architekt Bartolomeo Francesco Rastrelli), die
Wladimirkathedrale und das sagenhafte Höhlenkloster im Rang einer
Lawra sind wirklich Baudenkmäler allererster Güte.
Etwas ganz besonderes sind die Höhlen im Höhlenkloster, die man
unbedingt besuchen sollte, wenn man keine Platzangst hat. Die
weissgetünchten unterirdischen Gänge, erleuchtet nur vom Licht der
Kerzen, die die Gläubigen und anderen Besucher mit sich tragen, der
Geruch von brennendem Wachs und Weihrauch, die kleinen Nebenräume
mit Glassärgen von ehemaligen Mönchen des Klosters in festlichen
Gewändern, die Gläubigen, die vor den Särgen innehalten, sich darüber
beugen und diese Küssen - das alles ist auch für nichtreligiöse Menschen
wie mich sehr, sehr eindrücklich. Noch eine Anmerkung für Leute, die eben
Platzangst haben - in den unteren Höhlen geht es die Treppe runter, dann
10 Meter nach Links, dann 10 nach rechts und schon kommt wieder die
Treppe zum Ausgang. Wenn man das weiss, ist es vielleicht nicht mehr so
schlimm. Auch wenn manchmal ein bisschen ein Gedränge dort unten
herrscht.
Neben den Kirchen und Klöstern gibt es auch noch viele andere
Sehenswürdigkeiten, wie das Goldene Tor, das früher mal ein Stadttor im
alten Kiew gewesen ist, der Platz der Unabhängigkeit, das Mutter Heimat-
Denkmal, der Marienpalast (für den hatte ich leider keine Zeit mehr, dafür
habe ich einen Grund, wieder Mal dorthin zu reisen), der Chreschtschatyk,
die Hauptflaniermeile in Kiew, die sogar am Wochenende für den Verkehr
gesperrt ist, was sie noch schöner macht, und mehr.
Mein Fazit: Kiew ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Und als
Westeuropäer braucht man nicht mal ein Visum, was die Sache nochmals
einfacher macht.
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