Im Bus auf dem Weg nach Kronstadt habe ich mal gesehen, dass in den
nördlicheren Teilen (na ja, nicht ganz im Norden, aber auf jeden Fall
nördlich des Zentrums) der Stadt recht viel gebaut wird. Als typischer
Tourist musste ich das auch mal sehen, also mit der Metro zu einer Station
gefahren, die nördlich des Zentrums liegt und zu Fuss auf den Weg
gemacht. Zuerst durch einen Teil der Stadt bebaut mit älteren und neueren
Hochhäusern bevor ich dann wirklich zu einem totalen Neubaugebiet kam.
Platz hat es scheinbar genug, kann man nicht mit der Schweiz vergleichen.
Ein bisschen wirkte es auch in den schon bezogenen Strassen steril und
ohne Leben, fast keine Läden und Geschäfte (2011), vermutlich wird sich
das aber sicher noch ändern. War aber interessant, auch diese Seite der
Stadt mal zu sehen.
Am lustigsten war an diesem Tag der Garten von Jurij (oder eher der
seiner Frau). Kurz, nachdem ich aus der Metro dem Untergrund entstiegen
war, sah ich bei einem nicht mehr ganz taufrischen Hochhaus einen kleinen
Garten mit Blumen, den ich als Blumenliebhaber ablichten musste. In der
Nähe standt ein Mann um die 50, der sich mit einer Frau unterhielt. Als er
sah, dass ich da Fotos machte, kam er auch mich zu und sagte etwas zu
mir. Auf Russisch sagte ich zu ihm, dass ich nicht Russisch spreche (ein
Satz in dieser Sprache den ich regelmässig brauchte, wenn jemand mich
nach etwas fragte oder etwas sagte).
Aber der Mann konnte ein bisschen Englisch, und so erklärte er mir auf
Russisch-Englisch, dass dies eben der Garten seiner Frau sei, und er
sagte, dies sei doch eine hübsche Blume, ich solle diese doch
fotografieren, und jene auch, und so weiter. Sogar einen Kaktus gab es
dort, der jedoch im Winter jeweils in der Wohnung Schutz vor der Kälte
geniessen darf. Draussen würde er sicher auch nicht überleben. Dann
zeigte mir der Mann, eben Jurij mit Namen, noch viele, viele Fotos auf
seinem Handy, von Blumen, der Ukraine, seinen Verwandten dort und, und
und.
Als wir fertig waren mit Fotos betrachten, sagte er mir, ich solle doch noch
in sein Büro kommen damit er seine e-mail Adresse aufschreiben könne,
und ich ihm dann einige Fotos der Blumen, die ich eben gemacht hatte,
schicken könne. Das Büro war im Keller, ein bisschen unordentlich, eher
eine Mischung aus Wohnzimmer mit Soga und Büro, aber gemütlich, sogar
mit Mitarbeiterin. Dann wurde ich mit Tee und Süssem verköstigt und ein
Gläschen Wodka gab es auch noch. Zum Glück hatte ich an diesem Tag
noch nichts gegessen, sonst wäre ich als Wenigtrinker nicht gleich schon
ein bisschen angetrunken gewesen. Hat mir sehr geholfen an diesem sehr
warmen Sommertrag noch einige Stunden zu spazieren. Aber es war auf
jeden Fall lustig, dieses Erlebnis mit dem sehr netten Jurij und seinem
Garten (oder eher dem Garten seiner Frau). Und die e-mail mit den Fotos
hat er natürlich auch bekommen.
Obere Galerie: Aus dem nördlicheren Teil von St. Petersburg
Untere Galerie: Neubaugebiet im nördlicheren Teil von St. Petersburg